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Famulaturbericht | Kenia 2016

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 Ansprechpartner/ Organisation:

Dentists for Africa e.V.
www.dentists-for-africa.de
info@dentists-for-africa.org

 

Als ich meinen Koffer Mitte September packte, wusste ich nicht, was mich auf meiner Reise nach Kenia erwarten würde. Gemeinsam mit Kathinka, einer Zahnmedizinstudentin aus Würzburg, und Dr. Ulrich Niemer aus Münster machte ich mich auf den langen Weg nach Kenia. Organisiert wurde unser Aufenthalt von der Organisation „Dentists for Africa“.

Allgemein betreibt die Hilfsorganisation in Kenia mehrere Zahnstationen, um die zahnmedizinische Versorgung der dort lebenden Bevölkerung zu verbessern. In den Zahnstationen arbeitet einheimisches Personal, welches regelmäßig von deutschen Einsatzleistenden unterstützt wird. Die Organisation setzt sich jedoch nicht nur für die Zahngesundheit der kenianischen Bevölkerung ein, sondern betreut auch mehrere soziale Projekte. Dazu gehört zum einen das Witwendorf, in dem von der Aids-Epidemie betroffene Witwen in selbstbestimmtes Leben führen können. Dies beinhaltet, dass die Witwen Schmuck und Taschen eigenhändig anfertigen und dieser dann mit nach Deutschland genommen und dort über die Organisation verkauft werden. Das dabei verdiente Geld geht wieder an die Witwen zurück. Zum anderen besteht die Möglichkeit, über die Organisation Patenschaften für ein Kind zu übernehmen und für die schulische und eventuell universitäre Ausbildung aufzukommen. Ein Treffen mit dem Patenkind wird auch jederzeit ermöglicht.

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Insbesondere steht bei der Organisation die Nachhaltigkeit im Fokus. Unter diesen Punkt fällt die Förderung einer zahnmedizinischen Ausbildung von Waisenkindern, die gerne in dieser Sparte arbeiten möchten. Dadurch wird ermöglicht, dass die Zahnstationen nach und nach komplett in kenianische Hände übergehen.

Der Flug nach Kenia war für alle Beteiligten sehr beschwerlich. Wir sind von Frankfurt/ Main nach Addis Abeba, von Addis Abeba nach Nairobi und abschließend von Nairobi nach Kisumu geflogen. Von dort aus wurden von einem Fahrer der Organisation abgeholt und ins eine Stunde entfernte Dorf Nyabondo zu unserem Gästehaus gebracht. Mit Flug und Fahrt nach Nyabondo war ich fast 24 Stunden unterwegs und auch dementsprechend müde. Doch am nächsten Tag ging es für uns schon mit dem Arbeitsalltag los.

An unserem ersten Arbeitstag verschafften wir uns einen Überblick über das Krankenhaus und unseren Arbeitsplatz, die Dental Unit. Das anfängliche Durcheinander und die vielen Materialien, welche diverse Zahnärzte immer mal wieder aus Deutschland mitgebracht haben, überforderten uns etwas. Aber nach und nach machten wir Ordnung, wir warfen alte Materialien weg und säuberten unseren Arbeitsplatz.

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Unsere Dental Unit war einfach, aber sehr gut ausgestattet. Es existieren zwei Sprechzimmer. Im ersten Sprechzimmer werden auf einem Pumpstuhl die Zahnreinigungen und die Zahnextraktionen durchgeführt und im zweiten Sprechzimmer diverse Behandlungen wie Füllungen aus Kunststoff und Amalgam oder Wurzelkanalbehandlungen. Ein paar Meter weiter befindet sich ein kleines Zahntechniklabor, in welchem Interimsprothesen oder komplette Totalprothesen hergestellt werden.

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Das Team der Dental Unit in Nyabondo besteht aus Alex, der Oral Health Officer (OHO), Beatrice, einer Zahnarzthelferin und Dominic, dem Zahntechniker.
Ein OHO absolviert ein verkürztes Studium der Zahnmedizin, was ihn dazu berechtigt, Füllungen zu legen oder Zähne zu ziehen. Alex ist sehr geschickt in seinem Handwerk und für mich persönlich, war es eine Bereicherung, von ihm die Zahnextraktionen zu erlernen.

Dominic war neben der Herstellung der zahntechnischen Arbeiten dafür zuständig, die Schulen bezüglich der Behandlungen zu kontaktieren und einzuladen oder zur der Schule zu fahren und die Schüler zu untersuchen und zu schauen, welche Behandlungen benötigt werden. Die Eltern der Schulkinder füllen dann eine Art Erlaubnis für die Behandlung aus und die Schüler werden dann umsonst von dem Verein behandelt

Gleich schon am ersten Tag kam schon eine Schulklasse zur Behandlung zu uns und dies zog sich dann die kompletten zwei Wochen in Nyabondo durch. Die ersten Tage habe ich bei Dr. Niemer bei den Füllungen assistiert, danach war ich zuständig für die Zahnreinigungen und Zahnextraktionen bei den Schülern. Zwischendrin kamen auch sehr viele Schmerzpatienten für eine Zahnextraktion. Insgesamt habe ich in den zwei Wochen in Nyabondo um die 100 Zähne gezogen.

Es haben sich generell sehr viele Patienten in Nyabondo für eine Extraktion entschieden. Zum einen, weil das Bewusstsein für die eigenen Zähne und die Wichtigkeit des Erhalts der eigenen Zähne noch nicht so geschärft ist wie beispielsweise in Deutschland und zum anderen, weil eine Zahnextraktion meist immer die günstigere Alternative ist. Eine Zahnextraktion kostet umgerechnet drei Euro, eine Füllung so zwischen fünf und sieben Euro je nach Füllmaterial. Das Teuerste ist die Wurzelkanalbehandlung, welche daher sehr selten gemacht wird. Auch wurden während unserer Anwesenheit regelmäßige zahntechnische Arbeiten wie eine Interimsprothese hergestellt, welche meist einen oder mehrere Zähne ersetzen sollten. Wollen junge Kenianer beispielsweise zum Militär, so müssen alle 28 Zähne vorhanden sein. Wurde allerdings schon vorher ein Zahn gezogen, so muss er durch eine Prothese ersetzt werden.

Es kam öfters während der Behandlung vor, dass der Strom oder die selbstgebaute Absaugung ausfiel. Es war uns auch nicht möglich, die Hygienevorschriften, wie wir sie aus Deutschland kennen, einzuhalten. Doch glücklicherweise haben wir für jede Situation eine Lösung gefunden oder wir haben einfach abgewartet, bis der Strom wieder funktionierte. Genau solche unvorhersehbaren Dinge stellen zwar eine zusätzliche Herausforderung dar, machen die Arbeit in Kenia jedoch unvergesslich.

An einem Tag fuhren wir zu einer Schule außerhalb von Nyabondo, um die Untersuchungen im Freien durchzuführen. Schon als wir mit unserem Auto die Schule passierte, kamen uns lachend und winkend viele Kinder zur Begrüßung entgegen. Dominic hielt eine kleine Einführungsrede zusammen mit Prophylaxeunterricht und anschließend erhoben wir bei den Kindern den Befund. Es war bewundernswert, wie geduldig die Kinder in einer Reihe standen und auf ihre Untersuchung warteten, obwohl die Sonne stark schien und es sehr heiß war. Die Mundhygiene bei den Schülern war unterschiedlich gut. Viele hatten starke Fluorose, harte Beläge auf den Zähnen und tiefe Karies. Andere Kinder wiederum hatten eine sehr gute Mundhygiene.

Die ersten zwei Wochen in Nyabondo vergingen für uns wie im Fluge. Samstags verließen wir dann die dortige Zahnstation und machten einen Ausflug zur Masai Mara. Dies ist ein großes Naturschutzgebiet in Kenia. Vor einigen Jahren hat dort ein US-Amerikaner eine Lodge für Touristen gebaut und er bietet seitdem neben Unterkunft auch Fahrten durch dieses Naturschutzgebiet an.

Wir übernachteten von Samstag auf Sonntag dort und sind an beiden Tagen mit einem Fahrer Richtung Park gefahren. Wir konnten uns Tiere wie Löwen, Giraffen, Zebras und Elefanten anschauen. Nachts haben wir in den Zelten der Lodge geschlafen. Ein Masai erzählte uns, dass es öfters vorkommt, dass sich ein Löwe aus dem Naturschutzgebiet zur Lodge verirrt, weil die Unterkunft nicht eingezäunt ist. Glücklicherweise ist uns aber nachts kein Löwe begegnet.

Sonntags fuhren wir dann zu unserer letzten Station nach Asumbi und blieben dort eine Woche, dort um die Schulkinder und die Schmerzpatienten zu behandeln.
Wir wohnten auch hier auf dem Gelände des Krankenhauses, welches wie in Nyabondo von Franziskaner-Nonnen geleitet wurde. Die Nonnen waren sehr herzlich und sehr bemüht. Sie statteten uns morgens und abends einen Besuch ab und wollten, dass wir uns jederzeit wohl bei ihnen fühlten und uns an nichts fehlt.

Geleitet wurde diese Zahnstation von der Zahntechnikerin Gladys, welche zuständig ist für diverse Prothesen, aber auch für Zahnextraktionen und Füllungen. Unterstützt wird sie dabei von der Helferin Tabitha, welche sich unter anderem um die Sterilisation der Instrumente kümmert.
Kathinka und ich waren dann abwechselnd entweder bei Dr. Niemer als Assistenz oder wir halfen Gladys bei den Zahnextraktionen.
Generell war es in Asumbi von der Patientenzahl sehr ruhig, da es sehr abgelegen ist. Das nächste etwas größere Dorf war eine halbe Stunde mit dem Motorrad entfernt. Wir hatten aus dem Grund in Asumbi weitaus weniger zu tun als in Nyabondo.

Natürlich hatte das Arbeiten in Kenia neben den hygienischen Umständen oder fehlendem Strom auch weitere ungewohnte Schattenseiten. In Nyabondo verlief das Arbeiten sehr ruhig und ohne größere Probleme. In Asumbi aber kam am letzten Arbeitstag eine Lehrerin der nächstgelegenen Schule und brachte eine sechsjährige Schülerin mit, welche einen unteren Frontzahn gezogen bekommen musste. Das Mädchen hatte große Angst vor der Spritze und vor der Zange, sodass sie schrie und zappelte. Daraufhin wurde sie von der Zahntechnikerin festgehalten und vor meinen Augen fing die Lehrerin auf das Mädchen einzuschlagen. Da mein Eingriff in die Situation ignoriert wurde, wollte ich den Vater des Mädchens dazu holen. Der Vater war aber sehr desinteressiert und er meinte zu mir, dass es ihn nicht kümmert, was mit seiner Tochter passiert. Wir sollten den Zahn ziehen, egal unter welchen Umständen. Dies war eine sehr schockierende Erfahrung für mich, über die ich sehr viel nachdenken musste.

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Am gleichen Tag, nachdem wir alle Schulkinder und Patienten versorgt hatten, verließen wir schon Asumbi in Richtung Kisumu und samstags ging auch schon unser langer Flug nach Deutschland zurück

Es war für mich etwas ganz Besonderes, in die afrikanische Kultur einzutauchen. Die Menschen in Afrika haben eine ganz andere Mentalität und Lebenskultur. Sie leben nicht nach der Uhr, sondern mit der Zeit. So etwas wie Stress oder Zeitdruck gibt es dort nicht. Unsere Geduld wurde deswegen öfters mal auf die Probe gestellt, da unsere deutsche Mentalität in punkto Pünktlichkeit tief in uns verwurzelt ist. Doch die Geduld und das Warten haben sich immer gelohnt. Wir bekamen immer als Antwort „Hakuna Matata“ (kein Problem) und so in bisschen „Hakuna Matata“ im Leben tut auch immer gut.

Auch die Gastfreundschaft und die Offenheit der Menschen bereiteten uns große Freude. Wir wurden immer und überall eingeladen, eine Tasse Kaffee oder eine Cola mitzutrinken. Oder von einem befreundeten Priester wurden wir für die letzte Nacht in Kenia in sein Haus eingeladen und er engagierte einen Catering-Service, welcher uns verpflegen soll. Wir waren sehr ergriffen von der Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen.

Trotz der großen Armut, die wir in Kenia sahen und miterlebten, strahlten die Menschen dort soviel Lebensfreude aus und waren uns gegenüber sehr freundlich und aufgeschlossen.

Die Arbeit in Kenia war nicht immer einfach und wir mussten auf vieles verzichten, aber es war für uns eine unvergessliche Zeit. Wir sammelten wundervolle Eindrücke, schlossen neue Freundschaften und erlebten unvergessliche Momente. Ganz bestimmt war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Afrika.

Von Kristin Kautsch (Universität Göttingen), in Kenia
Zeitraum: September 2016


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